Ergebnisse des World Café (Dialog #2)
Mag. Christoph Müller
Bundeskanzleramt | Leitung Abteilung Umwelt, Verkehr, Gesundheit | www.bka.gv.at
Hat die Politik Gestaltungsmöglichkeiten, um nachhaltiges Unternehmertum zu fördern? Kann Sie die Themen glaubhaft und zielgruppengerecht transportieren? Was braucht es, um vom vorherrschenden problemorientierten Dialog zu einem chancenorientierten Dialog zu kommen?
Insgesamt konzentrierten sich die Diskussionsteilnehmerinnen mehrheitlich auf die erste Fragestellung, wobei implizit auch Aussagen zu den beiden anderen Fragestellungen gemacht wurden. Es herrschte ein Grundkonsens darüber, dass die Politik nach wie vor über Gestaltungsmacht verfügt, diese aber nicht immer (entschlossen) wahrnimmt. Es seien oft gute Ansätze vorhanden, welche aber zB im Bereich Förderpolitik an komplizierten Verfahren und mangelnder Kommunikation seitens der Förderstellen (Ministerien, Agenturen, Landesbehörden) scheitere. Eine besondere Herausforderung aus Sicht der Diskutantinnen stellt das politische Mehrebenensystem dar (Handlungsspielräume global, EU, national, regional, lokal). Wichtige und richtige Ansätze und Hebel in Richtung nachhaltige Entwicklung bzw. Förderung nachhaltiger Unternehmen seien insbesondere in der Forschungspolitik, Bildungspolitik (Bildung für nachhaltige Entwicklung) und Fiskalpolitik sowie im Bereich ökonomischer Instrumente zu finden (zB Entlastung des Faktors Arbeit, Internalisierung externer Kosten- Kostenwahrheit).
Insbesondere in Österreich sei nicht selten eine gewisse Unehrlichkeit in der politischen Kommunikation bzw. Politikenformulierung festzustellen. So würden gewisse Probleme entweder nicht angesprochen bzw. es werde – vor dem Hintergrund thematischer Sachzwänge „so getan als ob“ nach strategischen und langfristigen Lösungen gesucht wird (zB Klimaschutz).
Ein Diskussionsteilnehmer formulierte etwas überspitzt, dass der Bereich Politik/ Ministerien über keine wirklichen Experten in Sachen Nachhaltige Entwicklung / Klimaschutz verfüge; nichtsdestotrotz solle die Politik die grundsätzlichen Ziele vorgeben (zB Entwicklung nachhaltiger Produkte), die Zielerreichung sowie die Festlegung der Prozesse hingegen sollten ausschließlich den Unternehmen / der Wirtschaft überlassen werden. Mehrere Teilnehmerinnen meinten, dass die öffentliche Hand in ihren Grundsatz-, Konsum- und Vergabeentscheidungen Vorbildfunktion haben sollte. Vielfach fehle es aber an politischem Mut bzw. Experimentierfreudigkeit!
Zwei Teilnehmer waren der Überzeugung, dass die Mehrheit (der Bevölkerung) zu ihrem Glück / zur nachhaltiger Entwicklung gezwungen werden müsse „undemokratischer Kapitalismus“). Dieselben Personen meinten, dass Unternehmer und Praktiker aus der Wirtschaft in politischen Funktionen und legislativen Gremien unterrepräsentiert seien. Einigkeit herrschte bezüglich der positiven Chancen der Globalisierung, die allerdings nur genützt werden können, wenn der Welthandel auf sozialen und ökologischen Standards basiert, was zu einer gerechteren Verteilung von Gütern und wirtschaftlichem Erfolg führen soll. Eine „Nachhaltigkeitsrevolution“, die alle gesellschaftlichen Kreise erfasst, sei jedenfalls noch nicht eingeleitet.
Mag. Martin Putschögl
Der Standard VerlagsGmbH | Redakteur | www.derstandard.at
Wie können Medien Nachhaltigkeit ohne Verlust an Tiefe vermitteln? Ist es möglich die starke Gewichtung auf Umwelt- & Klimaschutzperspektiven aufzubrechen und durch eine ausgeglichene und ganzheitliche Perspektive zu ersetzen?
Am Tisch wurde sehr angeregt über die Rolle und die Möglichkeiten der Medien debattiert. Dabei wurde allgemein der Ansatz vertreten dass eine eher von “Angst- und Panikmache” geleitete Berichterstattung dazu führt, dass sich die Menschen zurücklehnen und keinen Sinn mehr darin erkennen können, selbst Schritte gegen zB den Klimawandel zu setzen. Journalismus sollte daher eher “Best Practice”-Modelle vorstellen, Zukunftsszenarien aufzeigen und klare Handlungsaufforderungen bieten – so das Conclusio aus den Diskussionen. Wichtig erschien es den Mitdiskutierenden auch, dass die Medien so genannte “schwarze Schafe” unter den mit “Nachhaltigkeit” werbenden Firmen “enttarnen” und vor “Trittbrettfahrern” warnen. Generell wurde “mehr Mut” von den JournalistInnen eingefordert, aber von Vertretern von Forschungseinrichtungen wurde selbstkritisch auch angemerkt, dass Forschungsergebnisse besser zu kommunizieren seien.
Roswitha Reisinger, MBA
lebensART VerlagsGmbH | Geschäftsführende Gesellschafterin | www.lebensart.at
Wie kann das erfolgreich entstandene Konsumentenbewusstsein für Bio- und Fairtrade Produkte auf andere, non-Food Bereiche übertragen werden? Kann strategischer Konsum zu einer Markt-verändernden Welle werden?
Das Konsumentenbewusstsein ist vielfach schon vorhanden.
Es geht eher um die Kauf-Entscheidungen, die Konsument/innen treffen und welche Handlungen sie setzen.
Der Erfolg von Bio- und Fairetrade liegt begründet in:
> einer guten, einfachen Verfügbarkeit
> gutem Marketing / Design / es ist “in”, modern, Bio und Fairtrade zu kaufen
> der Preis muss annehmbar sein: Mehr zu zahlen ist in Ordnung, es gibt aber auch Preisschwellen
> starke Partner, die den Markt entwickeln wollen / starke Marke Bsp. bei Bio ja! natürlich.
Lange vor Bio hat es eine ähnliche Entwicklung z.B. bereits im Bereich Bauen/Wohnen – Stichwort Lösungsmittel in Farben und Lacken – gegeben. Diese Entwicklung ist ins Stocken geraten und zeigt, dass es auch entsprechende Rahmenbedingungen/Systeme braucht, die ökologisches / nachhaltiges Handeln unterstützen.
Aktuell wird das sichtbar beim Ökostromgesetz, das die Entwicklung in Österreich praktisch zum Stillstand gebracht hat.
Wesentlichen Einfluss hat die Preisentwicklung. Der Preisanstieg bei Erdöl führt zu 4% weniger Absatz beim Autoverkauf, vermehrtem Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel etc. Recycling lohnt sich plötzlich, weil die Rohstoffe verkaufbar sind usw.
Der Schule / Bildung wird ein wichtiger Beitrag zugeschrieben. Gut in Erinnerung ist vielen, wie Kinder ihre Eltern zur Abfalltrennung erzogen haben.
Entscheidend für den Kauf ist sicher ein transportierter und gehaltener Kundennutzen, z.B.
* Gesundheit
* Geschmack / Qualität
* Image
Mag. Emmerich Wutschek
Science Park Graz GmbH |Geschäftsführer | www.sciencepark.at
Wie können wir die Zahl an innovativen Startups aus dem universitären Umfeld erhöhen? Was brauchen diese jungen, gründungswilligen Akademiker&innen, um für das interdisziplinäre Thema Nachhaltigkeit begeistert zu werden und durchstarten zu können?
Die jungen, potentiellen Unternehmer aus dem akademischen Umfeld lassen sich nur schwer auf das Thema Nachhaltigkeit fokussieren. Denen geht es grundsätzlich darum, ihre eigenen Forschungsergebnisse und Geschäftsideen über Start-Ups wirtschaftlich zu nützen.
Man kann aber im Vorfeld der Ideen-Entstehung inspirierend wirken, indem das Generationen-übergreifende Thema: „Verantwortungsbewusster Umgang mit den Ressourcen des Planeten“ die fachliche Gedankenwelt der künftigen Unternehmer beeinflusst und so neue Geschäftsideen in diese Richtung entstehen lässt.
In Verbindung mit einigen Megatrends, wie die nachhaltige Energienutzung oder die Gesundheitsorientierung, könnte über Medien, Meinungsführer der Gesellschaft oder die Gesetzgebung noch mehr auf den großen Bedarf an ökonomisch, ökologisch und sozial sinnvollen Lösungen hingewiesen werden.
Wo jemand – der etwas zu sagen hat – auf eine Situation, die mehr Aufmerksamkeit erzwingt, permanent hinzeigt – dort tut sich dann immer etwas. Als „Belohnung“ – für gute nachhaltige Lösungen – die ja unbedingt sein muss – sollten noch mehr gesellschaftliche Anerkennung und ökonomischer Nutzen entstehen können.
Der organisatorische Rahmen wäre zur Genüge vorhanden. Es ginge um noch mehr Information, Inspiration, Meinungsbildung und Motivation der akademischen Zielgruppen.






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