Sustainopreneure #2: Amazee.com

amazee

Wir suchen und finden. Sustainopreneure aus dem Web 2.0 Bereich. Wenn schon einen neuen Web 2.0 Dienst entwickeln, dann einen der Sinn macht. Amazee bietet Changemakern, Social- und Sustainopreneuren einen virtueller Raum für “Social Collaboration”, um seine Projekte bekannt zu machen und die dafür notwendigen Unterstützer, Sponsoren und Fans aufzubauen. Dabei verweben die Macher von Amazee ihre Plattform sehr clever mit Facebook. Highlight sind die regelmäßigen “Facebook Ralleys”, wo jene Projekte mit den meisten Facebook Fans 1000 Dollar abstauben. Das ist attraktiv, macht Sinn und hat Zukunft.

Dania Gerhardt, Mitgründerin und Finanzchefin von Amazee hat mir einige Fragen zum Thema “Nachhaltigket & Web 2.0″ beantwortet.

Derzeit wird das Web 2.0 von einer grünen Welle erfasst. Immer mehr Blogs, Plattformen und online Magazine mit dem Fokus Nachhaltigkeit (Umwelt, Klima, Soziales, Fairtrade, etc.) gehen an den Start. Wie erlebst Du diese Entwicklung?

Sehr positiv natürlich! Das Web ermöglicht es Aktivisten auf eine ganz neue Art und Weise, die Bevölkerung für gewisse Themen zu sensibilisieren. Dies passiert momentan im Bereich der Nachhaltigkeit und ist dort auch dringend nötig. Natürlich braucht es auch eine Zeit, bis die “grüne Welle” von den Nischenmedien in den Medien-Mainstream schwappt. Wenn die Themen dort angekommen sind, wird sich eine Menge bewegen!

Du bist selbst Mitgründerin einer solchen Plattform. Mit „Amazee.com” wollt ihr jenen unterstützen, die mit Projekten die Welt verbessern wollen. Wie kam es zu dieser Ideen und wie funktioniert Amazee?

Amazee ist eine logische Weiterentwicklung von bestehenden, klassischen Social-Networking-Plattformen. In den letzten Jahren haben sich sehr viele Internetnutzer mit klassischen Web-2.0-Anwendungen vertraut gemacht, selber Inhalte ins Web gestellt und sich mit Freunden vernetzt. Diese Generation hat sich weiterentwickelt und möchte das Web auch nutzen, um produktiv zu sein und gesellschaftliche Ziele zu erreichen. Amazee ermöglicht es diesen Personen und Organisationen, ihre Ideen und Vorhaben in Projekten zu initiieren, diese zu promoten, Gleichgesinnte zu finden und sich finanzielle Unterstützung zu sichern. Amazee ist das globale Aktionsnetzwerk!

Beispiele für erfolgreiche Projekte bei Amazee sind der Aufbau eines Internet-Ausbildungszentrums in Sri Lanka, die Planung von Internet-Unternehmertreffen in Zürich oder die Sicherstellung einer lückenlosen Wasserversorgung in einem südafrikanischen Dorf.

Ihr setzt damit voll und ganz auf Web 2.0. Welche Vorteile und Zukunftspotentiale siehst Du darin im Kontrast zu konventionellen Medien?

Auf Amazee werden Ziele zu Projekten und Projekte zu konkretem Handeln. Bei Amazee kann jeder Mensch ein Projekt lancieren und so Einfluss nehmen. Dies geht in konventionellen Medienformaten nicht.
Im Web 2.0 ist der individuelle Nutzer am Hebel und hat die Macht, etwas zu bewegen. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Vor Kurzem hat eine amerikanische Amazee-Benutzerin ein Projekt aufgesetzt und innerhalb von 4 Tagen über 10.000 US-Dollar dafür gesammelt. Wie? Mit einem informativen und attraktiven Projekt auf Amazee und der Verbreitung via Facebook, Twitter und Co. Ich glaube da müssen wir gar nicht mehr weiter diskutieren, was das Potential von Web 2.0 im Kontrast zu konventionellen Medien ist: es ist offensichtlich.

Dennoch sehen wir klassische Medien als interessante potentielle Partner: Auf Amazee entstehen authentische, spannende Projekte, die auch in anderen Medien für gute Leserunterhaltung sorgen. D.h. es braucht Web 2.0 für die Entstehung dieser Aktionen und Geschichten, aber auch konventionelle Medien, um diese weiter hinaus zu tragen.

Obgleich man tagtäglich von Web 2.0 hört, entdeckt die eigentliche Wissenselite in Sachen Nachhaltigkeit noch sehr langsam die ersten Vorteile darin – die Wenigsten nutzen es. Woran mag das Deiner Meinung nach liegen?

Wir bemerken, dass Bildungsinstitutionen, staatliche und staatsnahe Institutionen teilweise Mühe haben, mit dem, was das Web 2.0 ausmacht: Interaktivität und Partizipation. Viele Verantwortliche bei Unternehmen und Organisationen müssen sich zuerst an die Vorstellung gewöhnen, andere Menschen mitreden zu lassen und loszulassen von der vollständigen Kontrolle. Web 2.0 bedeutet nicht nur informieren, sondern auch diskutieren und andere Meinungen anhören und Ernst nehmen.

Dennoch bemerken wir bei Amazee einen klaren Trend in die richtige Richtung: Immer häufiger bekommen wir von Universitäten, Bundesstellen oder anderen Institutionen Anfragen, wie sie soziale Netzwerke und Plattformen wie Amazee besser nutzen können und so besser mit ihren Zielgruppen und Stakeholdern kommunizieren können. Sie erkennen langsam, dass das Teilen von Informationen mehr Wert ist, als das Horten und die Chancen die Risiken aus der Offenheit im Web 2.0 eindeutig überwiegen.

Welche Web 2.0 Dienste und Plattformen sind für Dich derzeit die wichtigsten? Welchen schreibst Du das größte Zukunftspotential zu?

Für mich hat klar Twitter das größte Zukunftspotential der breiten Web-2.0-Dienste. Ich selber nutze Twitter auch und sehe wirklich einen echten Mehrwert daraus. Weiter nutze ich Facebook und Xing regelmäßig. Diejenigen Dienste, die es dem Nutzer leicht machen, einen Einstieg zu finden und die Nutzung attraktiv und intuitiv gestalten, werden langfristig erfolgreich sein. Twitter ist in dieser Hinsicht sicherlich derzeit das Nonplusultra, bei einem Dienst wie Facebook ist das Ende der kreativen Fahnenstange dagegen noch nicht erreicht.

Auf Amazee.com wurden bereits über 1000 Projekte eingestellt, 73 Allianzen gegründet. Regelmäßig schüttet ihr echtes Geld für Projekte aus. Im Hintergrund von Amazee.com steht eine Aktiengesellschaft mit Investor. Das klingt nach einem ernsten Geschäft. Wo seht ihr Euch in 3 Jahren?

Unsere Vision ist, dass Amazee in drei Jahren DAS globale Aktionsnetzwerk ist. Amazee soll zu einem Hub für Projekte jeder Art werden, so wie Flickr für Fotos und Youtube für Videos. Die globale Ausrichtung ist uns sehr wichtig. Wir haben bereits jetzt einen Drittel aller Benutzer aus den USA und Projekte aus ganz verschiedenen Ländern. Es sollen immer mehr länderübergreifende Bewegungen entstehen, denn viele gesellschaftliche Herausforderungen kennen keine Länder- und Sprachengrenzen.

Danke für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Eine detaillierte Beschreibung der Funktionen findet Ihr auf amazee.com. Also, anmelden und loslegen. Auch ich habe für die WeissSee2250 Ideencamps eine Seite angelegt.

PS: Dieses Interview wurde auch auf www.nachhaltigkeit.at veröffentlicht

Autor: Hannes Offenbacher

Hannes Offenbacher ist Initiator von WeissSee und für die strategische und inhaltliche Entwicklung verantwortlich. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Mehrblick OG und Vorsitzender des Wiener Instituts für Vernetzung. Unter www.bessergehtsimmer.at bloggt er über Ideen & Entrepreneurship im Grenzbereich zwischen Nachhaltigkeit und neue Medien.

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