Frauscher: Hybrid Revolution am Wasser

Es war kein besonders heißer, aber dennoch sonniger Morgen, als ich am Vormittag nach Gmunden kam, um dort den Geschäftsführer der Edelbootsschmiede Frauscher zu treffen. Ob es die Sonne, das Glitzern des Sees oder meine Flip-Flops waren (oder alles zusammen), in mir kamen Urlaubsgefühle hoch. Keine Frage, es muss einfach herrlich sein, sein Büro direkt am wunderschönen Traunsee zu haben. Was für ein Unterschied zu den konventionellen Stadtbüros. Statt Autohupen hört man hier nur die vorbei schwimmenden Enten quaken, statt hektischer Menschenmassen trifft man hier auf wenige, aber ungemein ausgeglichen und zufrieden wirkende Menschen. Oder mir kommt das nur so vor?

Das Büro und die Schauräume von Frauscher liegen direkt am See. Am eigenen Steg liegen mehrere schmucke Boote. Stefan Frauscher begrüßt mich herzlich und wir gehen in den Schauraum, wo wir uns auf einer kleinen Sitzecke niederlassen. Er trägt ein weißes Poloshirt – natürlich Marke Frauscher, kurze Hosen und hat eine gesunde Bräune. So sieht ein Unternehmer aus, der inzwischen 9 Millionen Umsatz macht (das Wirtschaftsblatt berichtete) und ca. 75% seiner Boote ins Ausland verkauft.

Geschichte: Frauscher wurde 1926 vom Großvater gegründet. Das Schicksal wollte es, dass die US-amerikanischen Besatzungsmächte nach dem Krieg den ersten Yachtclub in Gmunden gründeten und dringend nach beständigen Booten suchten und eben nach einer Person der diese bauen und reparieren konnte. Seit damals wächst das Unternehmen beständig und gesund und ich auch noch immer in Familienbesitz. Zu 100 Prozent.

Der Grund meines Besuchs ist vor allem die Hybridyacht, die das Unternehmen in Kooperation mit Steyr als erster Bootsbauer überhaupt (!) auf den Markt gebracht hat. Vor kurzem wurde das schmucke Boot auch in den USA präsentiert. Die Presse war hochinteressiert und nur eine Demo vereitelte den angesagte Besuch von Arnold Schwarzenegger. Aber was noch nicht ist, kann noch werden.

Wie kommt nun dieser Stefan Frauscher nun dazu, eine Hybridyacht zu bauen? Haben die betuchten Kunden und Liebhaber von PS starken Booten nach einem lahmen Elektromotor gerufen?

Stefan Frauscher ist ein bodenständiger Typ – trotz des großen Erfolgs. Und er hat wohl ein Gespür für die emotionalen und funktionalen Bedürfnisse seiner Kunden. Primär reagierte man mit dem Hybrid auf das Problem, dass man auf vielen Gewässern im Sommer nur mit Elektrobooten fahren darf. Am Traunsee z.B. ist von Juli bis August absolutes Fahrverbot für die lauten Verbrennungsmotoren. Desweiteren gibt es auch sonst viele geschützte Gebiete, wo Boote mit Verbrennungsmotor Fahrverbot haben. Dieses – vor allem für die Badegäste sinnvolle – Fahrverbot ist aber natürlich nicht im Sinne eines Bootsbesitzer, der nicht wenig Geld für diesen schwimmenden Traum hinlegt. Der Hybrid ist dabei in erster Linie eine funktionale Innovation. Aber: Nicht nur.

Stefan Frauscher erzählt offen und ehrlich, dass man sich am Anfang nicht sicher war, ob die Hybridyacht überhaupt Abnehmer finden würde, oder als nette Marketingentwicklung im Schauraum sein Ende finden würde. Inzwischen ist klar, man hat mit der Hybridvariante einen Volltreffer gelandet. 5 Boote hat man bis dato verkauft, das Presseecho ist riesig und die Anfragen häufen sich. Stefan Frauscher ist zufrieden. Zu recht.

Doch es ist eben nicht nur die klaren Nutzungsvorteile, die den Erfolg ausmachen. Georg Frauscher ist davon überzeugt, dass die Innovation wohl auch die emotionalen Bedürfnisse der Kunden befriedigt. Und ich stimme zu. Es ist nicht zu übersehen, dass eine neue öko-soziale Konsumverantwortung ist im Vormarsch. Auch wenn es oft nur ums Beruhigen des eigenen Gewissens geht. Es geht um die Verbindung zwischen Ökologie und Genuss. Wer etwas auf sich hält, der lebt den grünen Luxus. Schon aus Image-Gründen. Arnold Schwarzenegger, ehemaliger Nummer 1 Werbeträger für das Monsterauto Hummer, fährt nun medial Hybrid und seit neuesten den Elektro-Roadster Tesla. Das ist zwar nicht immer im Sinne der Sache, aber es ist ein Signal und ein Lifestyle, der immer mehr Nachahmer findet. Und das ist gut so.

Zurück zu Frauscher: Gilt das Unternehmen durch die Entwicklung der Hybridyacht nun schon als nachhaltiges Unternehmen? Macht ein innovatives Produkt, das die Umwelt schont, weniger Energie braucht, etc. das dahinter stehende Unternehmen nachhaltig? Meine Ansicht nach nein.

Nachhaltige Unternehmen wie ich sie verstehe, müssen vor allem IM Unternehmen Nachhaltigkeit aktiv leben. Dabei ist es oft so, dass diese Unternehmen dies aber nicht bewusst machen, geschweige den darüber großartig sprechen. Die Nachhaltigkeit hat ihre Wurzeln oft in den Werten des Gründers, welche er als selbstverständlich ansieht (was sie eigentlich sein müssten). Diese Erfahrung machte ich schon bei meinem Besuch bei Johannes Gutmann von Sonnentor.

Und auch bei Frauscher scheint es so zu sein. Stefan Frauscher erzählt mir weiter, dass sie im Unternehmen großen Wert auf Qualität legen. Diese Ausrichtung hat dazu geführt, dass Frauscher – entgegen dem Trend in der Branche – seine Produktion NICHT in die Ostländer ausgelagert hat. Frauscher produziert und veredelt seine Boote ausschließlich in Österreich. Der aktuelle Erfolg lässt Stefan Fraucher auch überlegen ein weiteres Werk bei Gmunden zu errichten. Und so stärkt Frauscher mit seinem internationalen Erfolg die regionale Wirtschaft, schafft Arbeitsplätze und Sicherheit für viele Familien, auch wenn das mehr kostet. Die Vorteile überwiegen. Verstärkend kommt wohl dazu, dass Stefan Frauscher wohl auch der Typ ist, der gern vor Ort dabei ist, um alles im Auge zu behalten. Bei seinem Produkt geht es um Details und Perfektion und er lebt dafür. Mit Sicherheit einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren des Unternehmens: Persönliche Leidenschaft.

Und so kann man gespannt sein, ob Frauscher mit seinem Boot eine Revolution im Luxusyacht Segment los tritt. Er selbst ist davon überzeugt, dass er nicht lange der einzige Hersteller eines Hybrid-Bootes sein wird. Nervös macht ihn das trotzdem nicht. Entwicklungspotentiale gibt es zu genüge, meint er. Es sei alles erst der Anfang einer neuen Welle. Wie schön.

Kurz vor meinem Abschied sagt mir Stefan Frauscher zu – wenn er nicht gerade im Ausland für seine Boot wirbt – bei einem der nächsten WeissSee2250 Dialoge teilzunehmen. Zufrieden steige ich in meinen Hybrid von Honda, auch wenn ich lieber in einem der wunderschönen Boote über den See gedüst wäre.

*Ich besuchte Sefan Frauscher im Rahmen der WeissSee2250 Serie „Nachhaltiges Unternehmerland Österreich”.

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